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14-05-13
Rubrik: Wortmeldungen, Anträge
Ansprache Frank Kreutner

Argumente zum SPD-Antrag zur Gemeinschaftsschule

Liebe Kolleginnen- und Kollegen,

Die Dreigliedrigkeit unseres Schulsystems ist nicht mehr zu halten. Seit Jahren (und nicht etwa erst seit Übernahme der Regierungsverantwortung durch Grün-Rot) findet eine Abstimmung mit den Füßen statt, die den Fortbestand der Werkrealschulen, obwohl an ihnen gerade auch hier in Breisach hervorragende Arbeit geleistet wird, auf längere Sicht nicht mehr möglich macht. Das ist eine Tatsache, die über alle Parteien und  Gesellschaftsgruppen hinweg nicht mehr wirklich in Frage gestellt wird. Stellvertretend für diesen gesellschaftsübergreifenden Konsens möchte ich dazu den bildungspolitischen Sprecher des baden-württembergischen Städtetags, Herrn Norbert Brugger aus seinem Vortrag vor Realschulrektoren im November 2012 in Filderstadt zitieren: „Die Weiterentwicklung des Schulsystems zu verweigern, kann keine Lösung sein. Diese Weiterentwicklung ist überfällig, und zwar schon seit einigen Jahren. Sie ist also keine Zumutung der neuen Regierung. Die neue Regierung hat nur neue Instrumente eingeführt, um unser Schulsystem für die Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft fit zu machen – allen voran die Gemeinschaftsschule. Das war richtig und mutig. Die schulischen Herausforderungen des Heute und Morgen sind nämlich nicht mit Mitteln von Gestern zu bewältigen. (Ende Zitat) Besser könnte man die Situation des Bildungssystems unseres Landes nicht beschreiben.
Und sicherlich eint uns alle hier am Ratstisch, in den Elternhäusern und an den Schulen das Bemühen, dass wir auf diese Entwicklungen hier in Breisach so reagieren, dass für unsere Kinder der beste Weg gefunden wird.
Besonders gefreut haben wir uns, dass Bürgermeister Rein gleich zu Beginn der Diskussion  im Gemeinderat klar zum Ausdruck gebracht hat, dass bei unserer Entscheidung hier in Breisach die Parteipolitik keine Rolle spielen soll.
Umso betroffen macht uns in diesem Zusammenhang eine Veröffentlichung des Stadtverbandes der CDU Breisach in der jüngsten Ausgabe von „Breisach aktuell“. In einem Artikel über geplante Maßnahmen für die kommunalpolitische Arbeit der Breisacher CDU ist folgendes zu lesen: „Auch die Negativentwicklungen durch die momentane Landespolitik, wie der bevorstehende drastische Qualitätsverlust in der Bildungspolitik werden Schwerpunkt der künftigen öffentlichen Arbeit sein.“ Wenn diese ohne irgendeine Begründung öffentlich vorgebrachte Pauschalverurteilung wirklich die Diskussionsgrundlage der CDU Breisach für die gemeinsame Arbeit an der Weiterentwicklung der Breisacher Schullandschaft ist, muss unserer Meinung nach die Frage erlaubt sein, ob hier wirklich das Interesse an der bestmöglichen Lösung für unsere Kinder im Vordergrund stehen kann. Deswegen ein ganz großer Appell von unserer Seite: Lassen Sie uns hier am Ratstisch im Austausch von Sachargumenten um die beste Lösung ringen. Das hat dieses wichtige Thema der Zukunft des Schulstandorts Breisach auf jeden Fall verdient.
Eine ganze Reihe von Sachargumente für die Gemeinschaftsschule haben wir in unserem Antrag ausformuliert. In aller Kürze wäre dazu zu nennen: Die Gemeinschaftsschule ist eine empirisch bestätigte und von der Fachwissenschaft aktuell und fast einhellig befürwortete Schulform. Mit ihrer spezifischen pädagogischen Ausrichtung ist die Gemeinschaftsschule eine angemessene Antwort auf grundlegende gesellschaftliche Veränderungen. Die Einführung der Gemeinschafsschule würde den Schulstandort Breisach ohne Frage stärken.

• Überlegungen, in Breisach ein Verbundschulmodell zu entwickeln, hält die SPD-Fraktion für wenig sinnvoll. Wie das nahe gelegene Beispiel Bötzingen zeigt, ist auch mit diesem Modell die schwindende Attraktivität der Werkrealschule nicht aufzuhalten. Da das Verbundschulmodell mit seinem Kooperationsunterricht und den Bemühungen um einen individualisierten Unterricht wesentliche Aspekte der Gemeinschaftsschule umzusetzen versucht, ohne die dafür erforderliche Personalausstattung garantiert zu bekommen, ist es nur konsequent, gleich auf das Modell der Gemeinschaftsschule zu setzen.
• Es ist bekannt, dass unsere Nachbargemeinde Ihringen sich um die Einführung der Gemeinschaftsschule bemüht. Die regionale Schulentwicklungsplanung, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, für einen zielgerichteten und effizienten Ressourceneinsatz des Landes und der Schulträger zur Finanzierung von schulischen Bildungsangeboten zu sorgen, dürfte zwei Gemeinschaftsschulen in unmittelbarer räumlicher Nähe kaum unterstützen. Damit wäre das Mittelzentrum Breisach mittel- bis langfristig von den Möglichkeiten, die die Gemeinschaftsschule bietet, ausgeschlossen und würde als Schulstandort ohne Zweifel an Attraktivität verlieren.
• die sich in der Vergangenheit stets an den Bedürfnissen der Julius-Leber-Schule sowie der Hugo-Höfler-Realschule orientierende Investitionsbereitschaft der Stadt hat dazu geführt, dass die organisatorischen und baulichen Voraussetzungen im Breisacher Schulzentrum sich so darstellen, dass wesentliche Voraussetzungen für die Einführung der Gemeinschaftsschule bereits gegeben sind. Zu erwähnen wäre beispielsweise die vorhandene Mensa sowie die langjährigen Erfahrung und Ausstattung im Bereich der Ganztagesbetreuung.Daher kann davon ausgegangen werden, dass sich die erforderlichen baulichen Maßnahmen in einem vertretbaren Rahmen halten würden.
• Im Übrigen möchten wir abschließend noch einmal betonen, dass die mit der Einführung der Gemeinschaftsschule verbundenen Chancen für die zukünftigen Schülergenerationen unserer Gemeinde oberstes Kriterium bei der Entscheidungsfindung sein sollten. Deswegen hoffen wir, dass unserem Antrag stattgegeben wird.

Dass dies natürlich auf landespoltischer Ebene eher ein frommer Wunsch ist, sollte uns aber nicht entmutigen, hier auf der Ebene der Kommunalpolitik genauso zu verfahren und das Wohl unserer Kinder in den Mittelpunkt unserer Überlegungen zu stellen.
Wenn man beispielsweise liest, dass der bildungspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Georg Wacker, bezüglich der Gemeinschaftsschule im März dieses Jahres öffentlich gesagt hat, ihr fehle ein pädagogisches Konzept, muss man sich schon sehr wundern. Man mag über viele Details diskutieren können, was aber für diejenigen, die sich vorurteilsfrei mit dem Projekt Gemeinschaftsschule beschäftigt haben, völlig unbestritten ist, ist dass die elementare Grundlage dieser Schulform ein in der Fachwissenschaft  anerkanntes und unumstrittenes pädagogisches Konzept ist.

Auch Norbert Brugger, bildungspolitischer Sprecher des Städtetags, äußert sich in bemerkenswerter Weise zum Thema Gemeinschaftsschule. Er präferiert Verbundschulen, weil diese „bekannter und bewährter“ als die Gemeinschaftsschulen seien. Das mag ja durchaus sein, schließlich sind die ersten Gemeinschaftsschulen erst im vergangenen Herbst an den Start gegangen. Ein wirklich überzeugendes Argument gegen die Gemeinschaftsschule kann das aber nicht sein.

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