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28-04-19
Rubrik: Pressebericht, Fessenheim
"Man muss Flagge zeigen"

Proteste gegen Atomkraft in Breisach und Colmar.


Auch Kieber sehnt das Ende des AKW Fessenheim herbei. Foto: sd

"Es liegt am Wetter", sagte Demo-Veteran Gustav Rosa aus Breisach über die recht geringe Beteiligung der Anti-AKW-Bewegung am gestrigen Protest-Samstag in Breisach. Dabei hatten die Vertreter der elsässischen Anti-AKW-Bewegung eigens für über 1 000 Euro einen Ausflugsdampfer gechartert, um mitten auf dem Rhein zu demonstrieren: Mit Reden und Musik, dargeboten vom "Protest-Orchester Lebenslaute". Anlass der Aktion war der 33. Jahrestag der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl. Die aktuelle Forderung der Demonstranten: Das AKW Fessenheim muss sofort abgeschaltet werden.

Mittendrin dabei war Volker Kieber, der parteilose Bürgermeister von Bad Krozingen. "Man muss Flagge zeigen und den Protest unterstützen", sagte Kieber, der sich umgehend eine "Atomkraft – Nein danke"-Fahne schnappte. Es sei wichtig, meinte er, dass nun, wo das Ende des AKW bis August 2020 endgültig beschlossen sei, die ganze Region mitkämpft. Für den grenzüberschreitenden Zukunftsprozess Fessenheim, für die Zeit nach dem AKW und auch gegen die Pläne des französischen Stromkonzerns EdF, der in Fessenheim künftig alte Bauteile aus Atomkraftwerken abwracken und recyceln will. "Das wollen wir nicht", so Kieber im Einklang mit den Atomprotestlern, die freilich vom Ende des über 40 Jahre alten Atommeilers am Rhein längst nicht so überzeugt sind wie die Politiker in der Region: "2020 ist ein Datum, kein Abschalttermin", so Gustav Rosa. Dabei dränge die Zeit: Der letzte Zwischenfall in Fessenheim sei gerade einmal drei Tage her. Eine kurzzeitige Drosselung der Reaktorleistung um 80 Prozent im Block 1, sagte Rosa. "Zwei Stunden später haben sie das Ding wieder hochgejagt. Das ist natürlich Gift für das Material", meinte der 68-jährige Ingenieur, der im vergangenen Jahr aus Protest gegen das AKW sogar kurzzeitig in den Hungerstreik getreten ist.

Auch Bernhard Vogel und Axel Schwendemann vom Verein "Rimsingen lebenswert" trauen der französischen Politik nicht. Sie haben gerade einen professionell anmutenden Anti-Fessenheim-Spot ins Netz gestellt: "Zeitbombe AKW Fessenheim" würden sie gern im Kino laufen sehen, aber noch, so Vogel, habe kein Betreiber angebissen.

Den Druck müsse man aufrechterhalten, mahnt Rosa. Wir seien schließlich europäische Bürger. Da passt es gut ins Bild, dass Breisachs Bürgermeister Oliver Rein (CDU) gestern ebenso zum Protestprogramm gehörte wie die Fortsetzung der Kundgebung in Colmar im Elsass. Bernd Peters


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