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28-04-19
Rubrik: Pressebericht, SPD-Breisach, Ortsverein, Aktionen OV
Verspätete Gründung

Die SPD in Breisach feiert kommende Woche ihren 100. Geburtstag.


1933 warfen die Nationalsozialisten den letzten Sozialdemokraten aus dem Gemeinderat, ab 1948 stellte die SPD den Bürgermeister in Breisach: Joseph Bueb (rechts) mit seinem Colmarer Amtskollegen Joseph Rey im Jahr 1957. Foto: Willy PRAGHER

Der Ortsverein der SPD Breisach feiert sein hundertjähriges Bestehen mit einem Festumzug. Splitter einer bewegten Geschichte.

Im Mai 1919 nahm die Volkswacht kein Blatt vor den Mund: "Die Maifeier nahm einen wirklich schönen Verlauf", kommentierte die sozialdemokratische Zeitung den Festzug der ortsansässigen SPD in Breisach zwar einerseits. Andererseits aber fuhr das Parteiorgan fort: "Nur hätte die Beteiligung am Festzug ebenso zahlreich sein müssen wie abends bei Tanz und Theater. Leider gab es in der Partei und den Gewerkschaften wieder eine größere Zahl Drückeberger, die sich anscheinend schämen, offen Farbe zu bekennen. Das aber und ein festes Zusammenstehen sind in Breisach unbedingt notwendig."

Der Groll des Kommentierenden dürfte kaum lang angehalten haben. Keinen Monat später feierte der Ortsverein bei den Kommunalwahlen große Erfolge: Bei der Auswahl der Gemeindeverordneten erhielt die SPD 310 und damit die drittmeisten Stimmen hinter der Zentrumspartei und den Deutschdemokraten. In den Gemeinderat zog der erst drei Monate zuvor gegründete Verein mit gleich zwei Kandidaten. Ein beeindruckender Erfolg des jungen Parteiablegers.

Eine der neuen Gemeinderätinnen war Ida Frank: Die jüdische Metzgersgattin, die 1937 über Italien und Kuba in die USA emigrieren sollte, war Breisachs erste Gemeinderätin. Noch heute ist eine Straße in Breisach nach ihr benannt.

Die junge Vertretung der SPD hatte im Jahr der Gründung also direkt großen Erfolg. "Was überraschend ist", wie Archivar Uwe Fahrer erklärt. Denn Breisach hatte bis auf die ortsansässige Tapetenfabrik kaum Industrie. Die Rheinstadt war keine typische Arbeitergemeinde.

Der Erfolg des Ortsvereins im Gründungsjahr lässt sich wohl mit der damals bereits ein halbes Jahrzehnt andauernden Vorgeschichte erklären. Denn eigentlich hätte der Ortsverein Breisach schon vor fünf Jahren seinen 100. Geburtstag feiern können. Bereits 1914 hatten sich erstmals 27 Mitglieder zusammengefunden, die um den antreibenden Pol, den ortsansässigen Uhrenmacher Faist, einen Ableger der Arbeiterpartei in der Rheinstadt gründen wollten.

Bis 1962 stellte die SPD den Bürgermeister

"Dann aber kam der Erste Weltkrieg dazwischen", erklärt Gustav Rosa, der seit 2002 Medienbeauftragter des Ortsvereins ist. Fünf Jahre später gelang die Gründung im März 1919 dann aber offiziell, drei Monate später feierte sie bei den Kommunalwahlen die erwähnten Erfolge. "An all das wollen wir am Tag der Arbeit dieses Jahr erinnern", sagt Rosa. Am kommenden Mittwoch lädt der Ortsverein daher zur parteiübergreifenden Hundertjahrfeier. "Es soll ein festlicher Akt werden", ergänzt die stellvertretende Vorsitzende des Ortsvereins, Claudia Collet.

Den historischen Vortrag wird Ortsarchivar Fahrer halten. Darin wird er auch über das schwere Los der Partei in den 1930er Jahren berichten. Im Frühjahr 1933 wurde der Gemeinderat nach den Ergebnissen der Reichstagswahlen umgebildet. Die SPD, die in Breisach 1932 noch 15 Prozent der Stimmen erhalten hatte, durfte nun lediglich noch einen einzigen Gemeinderat, Otto Schönfeld, stellen. Und auch dieser Posten blieb dem Ortsverein nicht lange erhalten. Im Juni erließ die NSDAP ein Betätigungsverbot für die Arbeiterpartei, Schönfeld verwiesen sie des Gremiums.

"Nach dem Krieg gelang es dem Ortsverein dann relativ rasch, sich wieder zu etablieren", berichtet Fahrer. Zwar erließ der französische Besatzungskommandant im Herbst 1945 noch ein Verbot gegen die Versammlung einer "sozialistischen Partei". Im Mai 1946 dann aber kam es zur Neugründungsversammlung. Mit Erfolg: Sei den ersten Gemeinderatswahlen 1948 ist der Ortsverein durchgehend ins Kommunalgremium eingezogen. "Überraschend dabei fand ich, dass es erst 1980 wieder Frauen in den Gemeinderat schafften", betont der Stadtarchivar. 1980 zog Gertrud Krischke für die SPD ins Kommunalparlament ein. Als besonders prägend erwiesen sich in der Nachkriegszeit die Jahre des SPD-Oberbürgermeisters Josef Bueb (1948 bis 1962), als Breisach seinen Titel als Europastadt erhielt. Heute hat die SPD fünf von 27 Sitzen im Gemeinderat.

Für die Feier am kommenden Mittwoch haben sich mit der ehemaligen Landesvorsitzenden Leni Breymaier, dem Bundestagsabgeordneten Johannes Fechner und der Europawahl-Kandidatin Luisa Boos gleich drei prominente Gäste angemeldet. Den Startschuss gibt ein historischer Festumzug, der sich ab 15 Uhr vom Bahnhof über den Neutorplatz bis zum Marktplatz zieht. Im Gemeinderatssaal der evangelischen Kirche finden schließlich Vorträge, Speis und Trank sowie ein geselliger Ausklang statt. Bleibt aus Sicht der Genossen nur zu hoffen, dass die Beteiligung dieses Mal nicht nur bei Tanz und Theater ausgesprochen gut ist.


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