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03-05-19
Rubrik: Pressebericht, Aktionen OV
Altehrwürdig und engagiert

Mit einem Festumzug und einer Feier erinnerte der Breisacher SPD-Ortsverein an 100 Jahre Sozialdemokratie in der Münsterstadt.


Durch die Innenstadt zog der Umzug des SPD-Ortsvereins, bevor die eigentliche Feier zum 100-jährigen Bestehen im Gemeindesaal der Martin-Bucer-Gemeinde startete. Foto: Hans-Jochen Voigt

BREISACH. Der Ortsverein Breisach der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands kann in diesen Tagen auf seine 100-jährige Geschichte zurückblicken. Dazu gab es am 1. Mai im Gemeindesaal der Martin-Bucer-Kirche ein Fest. Zuvor trafen sich die Parteimitglieder und Gäste am Bahnhof und zogen zum Teil in historischen Kostümen und mit Liedern der frühen Arbeiterbewegung über den Neutorplatz, den Marktplatz und die Innenstadt.

Verkleidet als Ida Frank, die erste SPD-Abgeordnete im Stadtrat Breisach nach dem Ersten Weltkrieg, begrüßte die stellvertretende Ortsvereinsvorsitzende Claudia Collet die Mitglieder und Gäste. Der Vorsitzende Lothar Menges war verhindert. Collet, Gustav Rosa und Gerd Olegschläger gaben ein kurzes Spiel auf dem Neutorplatz und forderten wie vor 100 Jahren gleichen Lohn für gleiche Arbeit.

Vereinsgründung 1914

Breisachs Bürgermeister Oliver Rein (CDU) ließ es sich nicht nehmen, der Veranstaltung "von Herzen alles Gute" zu wünschen. In den vergangenen 100 Jahren hätten viele Mitbürger aus der SPD einflussreich die Politik der Stadt mitgestaltet, darunter etwa Josef Bueb, der zweite Bürgermeister nach 1945. Es sei es anerkennenswert, wenn Farbe bekannt werde. Rein dankte der "alten Arbeiterpartei" mit den Worten: "Gut gemacht in den vergangenen Jahren."

Stadtarchivar Uwe Fahrer informierte über die Geschichte der Sozialdemokratie in Breisach, die bereits 1914 begann, als bei Kriegsausbruch ein Verein mit 27 Mitgliedern mit dem Uhrmacher Felix Faißt an der Spitze gegründet wurde. Am 1. Januar 1919 gab es eine Versammlung in der Brauerei Franz, mit dabei waren Ida Frank und Oskar Velten. Im März 1919 zählte der Verein 155 Mitglieder.

Bei der Gemeinderatswahl am 1. Juni 1919 schafften es zehn Kandidaten der SPD in den Stadtrat und saßen neben sieben Kandidaten des Zentrums, vier von der Bürgervereinigung, fünf von der DDP und einem Einzelkandidaten. Die Maifeier der SPD am 1. Mai 1919 hatte nach Angaben der "Volkswacht" einen schönen Verlauf, nur hätten sich einige "Drückeberger" geschämt, offen Farbe zu bekennen, und seien erst zum Tanz und Theater erschienen, aber nicht zum Festumzug.

Betätigungsverbot ab 1933

Im März 1922 gründete sich der Arbeiterjugendverein. Das Veranstaltungslokal der SPD war die "Kanone" am Neutorplatz. Dort kam es nach der Reichstagswahl 1932, bei der die NSDAP 25,4 Prozent der Stimmen erhielt, zu Störungen durch SA-Männer und Studenten aus Freiburg.

Im März 1933 legte der Gemeinderat Karl Braun sein Amt wegen einer Amtsenthebung von NSDAP-Bürgermeister Adolf Meyer nieder. Im Juni 1933 gab es ein Betätigungsverbot für die SPD im ganzen Reich, 1937 emigrierte die Jüdin Ida Frank in die USA.

Nach Versammlungsverboten durch die französischen Behörden nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Breisacher SPD im Mai 1946 inoffiziell gegründet.

Mitgliedsbeitrag von 1 Mark

Mit dabei waren Karl Braun, Karl Schanno, Albert Ziehler, Otto Weiß, Richard Würz, Hans Bach, Karl Reiss, Julius Winold und Hermann Münch.

Ab 1946 gab es offene Versammlungen, 1948 wurde der Name "SPD Land Südbaden" zugelassen. Von 1948 bis 1962 war Josef Bueb Bürgermeister der Stadt Breisach. Die Partei führten Ferdinand Wehrle, Karl Bährle, Axel Seibert, Josef Gasser, Roderich Engelhardt, Ulrich Satorius, Sybill Brauns, Brigtte Rotholz, Reiner Zimmermann, Karl Waldvogel und seit 1993 Lothar Menges.

Die Kreisvorsitzende Birte Könnecke überreichte ein Originalflugblatt, in dem vor 100 Jahren der "Wille der Verfassung" niedergeschrieben wurde. Damals kostete der Mitgliederbeitrag für Männer eine Mark, für Frauen 50 Pfennig.

Interview auf der roten Couch

Auf der "roten Couch" interviewte Collet zunächst den Bundestagsabgeordneten Johannes Fechner zu Themen wie Vertrauen in die Politik, Rechtsstaatlichkeit, Verbraucherschutz und Zusammenarbeit in Europa.

Die Bundestagsabgeordnete Leni Breymaier betonte, dass die SPD auch für die Rechte der Frauen gekämpft habe, die vor ebenfalls 100 Jahren das Wahlrecht erhielten. Sie erinnerte unter anderem daran, dass 1949 ins Grundgesetz aufgenommen wurde, dass Frauen und Männer gleichberechtigt seien.

Die nächsten Ziele seien die Parität in den Parlamenten und die Abschaffung der Prostitution. Auch die Kandidatin für das Europaparlament Luisa Boos nahm auf der Couch zu vielen Fragen zur Europapolitik Stellung.

Grußworte sprachen Stadtrat Gerd Müller vom Blauen Haus und Jost Meyen vom Ortsverband Markgräflerland. Musik gab es von der neu gegründeten Band Song-Gruppe-Breisach-Vogtsburg.


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