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Sonntag, 12.03.2017

Die Französischen Antiatomorganisationen, -vereine und -gruppen haben in diesem Jahr die Organisation des 6. Gedenktags der atomaren Katastrophe von Fukushima übernommen. Wir, die Mitstreiter von der deutschen Seite, haben die beiden Aktionen am Samstag in Straßburg und am Sonntag in Fessenheim aktiv mit unterstützt. Hier ein Kurzbericht zur Großdemo und dem anschließenden Winterkonzert in Fessenheim.

Zusammen mit dem Aktionsbündnis Fessenheim stilllegen: Jetzt! und Mitgliedern von Stop Fessenheim Colmar und CSFR haben Mahnwacher aus Breisach schon beim Aufbau auf dem Platz vor "La maison des Energies" mitgeholfen. Auch ein paar Kuchenspenden wurden angeliefert. Danke an die Bäckerinnen - es wurde alles aufgegessen.

Mit leichter Verspätung begrüßten Suzy und Franz die inzwischen eingetroffenen mehrere Hundert Besucher und verlasen ein Grußwort von Matthias aus Lingen.

Dann brach der Demozug kurz nach 11 Uhr in Richtung AKW auf. Zwei Kleinlaster haben symbolische Atommüllfässer, die gestern durch Straßburg gefahren wurden, vor die Tore des Atomkraftwerks transportiert und dort abgeladen. Hier zählten wir die meisten Teilnehmer. Der Demonstrationszug belegte beide Fahrbahnen und den Radweg und erstreckte sich über mehrere hundert Meter. Das entspricht einer Menge von 1000 bis 1500 Teilnehmern.

Vor dieser Kulisse hielten Gilles Barthe (CSFR) und Gustav Rosa (Mahnwache Breisach) eine kurze Ansprache. Anschließend begaben wir uns auf den Rückweg zum Sammelplatz.

Jetzt lichteten sich unsere Reihen zusehends. Der Rest der Teilnehmer genoss den sonnigen Tag. Kinder und Erwachsene tollten über die Wiese und spielten ausgelassen. Für das leibliche Wohl war gesorgt und die Musikbands begeisterten mit einen herrlichen Sound, der zum Zuhören und Mittanzen anregte. Zwischendrin hielt Axel Mayer eine "urbadische" Rede (s. Text weiter unten), die Eindruck hinterließ.

Gegen 17 Uhr packten wir ein und begaben uns müde, abgekämpft aber zufrieden auf den Heimweg. Eine gelungene Aktion, die ein Mal mehr gezeigt hat, dass wir auf beiden Seiten des Rheins unserem gemeinsamen  Ziel einen weiteren Schritt näher gekommen sind: Das AKW Fessenheim stilllegen: Jetzt!

Text: Gustav Rosa ::: SPD-Breisach + Fotos: Susanne Wendling

Bilder 12.03.2017

Bilder von Jean-Jacques Rettig - CSFR

Rede von Gilles Barthe und Gustav Rosa

Salut Fessenheim, salut Alsace, hallo Südbaden, salut Dreyeckland

Es ist wieder einmal soweit: Wir stehen hier und gedenken der Opfer der ato­maren Kata­stro­phe von Fukushima von vor 6 Jahren. Wir erinnern auch an die Opfer der anderen Kata­stro­phen von Tscher­no­byl, Harrisburg usw. Wir haben Sym­bolfässer mit Atommüll gestern in Straß­burg und heute hier in Fes­senheim dabei und niemanden gefunden, der bereit wäre, die­sen Müll bei sich zu lagern.
Und vor diesen ernsten und traurigen Hintergründen mahnen wir ein Mal mehr vor der Be­droh­ung vor unserer Haustür und fordern: Das AKW Fessenheim abschalten. Jetzt!

ABSCHALTEN!     -     FERMONS LA CENTRALE !

Ich bin gebeten worden, über den technischen Zustand des Atomkraftswerks zu be­richten. Ich finde, darüber ist in den letzten Jahren schon alles ausführlich und oft genug gesagt wor­den. Alle, die heute hier versammelt sind, wissen darüber Be­scheid. Darum will ich nicht längst bekannte Fakten wie­der­holen. Aber ich will zusammenfassend die 4 großen Lügen, die im Zusammenhang mit Fes­senheim und seinem AKW verbreitet werden, auflisten.

Lüge Nr. 1: Das AKW ist sicher. Fakt ist, dass Aktivisten von Greenpeace relativ un­behelligt auf das Dach der Reaktorkuppel gestiegen sind. Originalton Badische Zeitung vom 18. März 2014: "Erschre­ckend einfach: 60 Greenpeace-Aktivisten sind am Dienstagfrüh mühelos auf das Gelände des AKW Fes­senheim gelangt. 20 von ihnen kletterten auf den Reaktorblock 1 und entfalteten ein großes Pro­test-Banner."
Hinzu kommen die vielen Zwischenfälle, Pannen und nicht zuletzt die Risiken von Erd­be­ben, Überschwemmung oder Terroranschlag.

Lüge Nr. 2: Das AKW ist rentabel. Fakt ist (und das hat unser Mitstreiter Lucien aus Wi­den­so­len im­mer wieder belegt): Die Energieproduktion im AKW Fessen­heim wirft kaum noch Ge­win­ne ab. Areva ist pleite und die Aktien der EdF sind auf Talfahrt.

Lüge Nr. 3: Das Abschalten vernichtet Arbeitsplätze. Fakt ist (und das verkündet auch die Re­­gierung aus Paris): Es wird keine Entlassungen geben. Einige Ar­beits­verhältnisse werden um­­geschichtet, vie­le neue kommen mit dem Rückbau hinzu.

Lüge Nr. 4: In Fessenheim und in der Region gehen die Lichter aus. Fakt ist, auf dem euro­pä­ischen Markt besteht ein Überangebot an Strom.

Ihr seht, es gibt keinen vernünftigen Grund, die maroden und altersschwachen Re­ak­toren wei­­­ter zu be­trei­ben. Es gibt aber trieftige Gründe, aus der Atom­wirt­schaft auszusteigen und sich voll und ganz auf die neue, regenerative Energie­pro­duktion zu konzentrieren. Das ist Zu­kunft, das ist Weitsicht, das ist Verantwortungsbewusstsein.
Dafür sind gestern 1000 Menschen durch Straßburg marschiert. Neben dem Drey­eckland wa­ren Bure, Catenom, Trier und andere Regionen Europas vertre­ten. Dazu haben uns wei­te­re Solida­ri­täts­be­kundungen erreicht.

Ihr seht, wir sind nicht allein! Heute nicht und auch früher. Gemeinsam waren wir mit unserer grenzüberschreitenden Protestbewegung in Marckolsheim und in Wyhl erfolgreich. Gemein­sam mahnen wir Montag für Montag in Müllheim und Breisach mit unseren Wachen - ganz im Sinne von Walter Mossmann:

Im Elsass und in Baden war lange große Not;
Da schossen wir für unsere Herrn im Krieg einander tot!
Heut stehen wir zusammen und stoppen Fessenheim.
Wir halten hier gemeinsam eine andere Wacht am Rhein.

In diesem Sinne eine Botschaft von deutscher Seite an unsere französischen Nachbarn: Wir sind als Freunde gekommen, und wir wollen als Freunde gehen. Wir wollen Freunde bleiben und hier ge­meinsam - auf beiden Seiten des Rheins - eine atomfreie Zukunft gestalten. Jetzt!

" J’aime Fessenheim sans nucléaire ! "

Text und Fotos: Gilles Barthe ::: CSFR und Gustav Rosa ::: SPD-Breisach

Rede von Axel Mayer - BUND

Europa / Demokratie / Fessenheim: alemannische Rede 12.3.2017 beim AKW Fessenheim (es gilt das gesprochene Wort)

Bonjour Fessenheim Bonjour Alsace oder muss ich jetzt Grand Est sage?
Liebi Fräue un Männer, liebi Elsässer und Badener

Nid schu wider Fessene Nid schu wider ä Red halde.
Ich will nimmi. Ich hab kei Luschd meh, ich vertrag´s nimmi, ich kann´s nimmi here.
Die Kischde gherd abgschdellt endlich endlich abgschdellt. Wenn mir hid do schden; Wenn mir uns hid wider troffe hän, dann brüch ich eich nix verzelle vun de Gfahre - Ihr wisses, dann brüch ich eich nix verzelle vun de Versprechä vum Herr Hollande - Ihr wisse, was er versproche, und was er bis jetzt ghalte het. Mir hän die Sorg, dass in Frankrich d´EDF regiert un nid de Herr Hollande, so wie in Ditschland immer VW un de Daimler midregiere. Mir schden do, um die ald Kischde endlich abzschdelle. Mir hän Angschd vor de atomare Gfahre, mir hän aber auch Angschd vorere Marine Le Pen am "roten Knopf", vun de Force de Frappe. Mir hän aber auch Angschd, dass meh un meh d'Demokratie verlore goht wie mer's iberall grad erläbe.

Wenn mir hid do schden, wenn mir uns hid wider troffe hän, dann schden mir äu do, well mir Europa sin. Wer, wänn nid mir isch Europa? Was hämmer gsaid vor über 43 Johr in Wyhl? Nai hämmer gsaid z'Wyhl! Nai hämmer gsaid zu dere Kischde in Fessene! Un mir hän ä europische Traum gha: "Mir kejje mol d'Gränze üewer e Hüffe - un tanze drum erum." hed de Francois Brumbt domols gsunge.
Mir schden do, um die ald Kischde abzschdelle. Mir schden do, um d' Demokratie gege d' Demokratur z verteidige. Ä Demokratur, wie mer sie grad nid nur z´Amerika und in de Türkei erläbe. Mir schden nid fir´s Europa vun de Atomkonzern un vun CETA &TTIP. Mir schden nid fürs Europa, wu de hegschde Wert d'Gier isch. Mir schden nid fürs Europa, wu mer d'Mensche gegenenander üsspielt. Mir schden fir ä Europa ohni AKW un ohni Klimawandel, fir ä Europa, wu ä amerikanische Konzern de glich Schdiesatz het wie de Beckermeischder ums Eck.
Mir sin Europa. Mir sin´s Europa vun de Mensche. Mir schden in äre lange demokratische Tradition am Oberrhin, die humanischde z'Schlettstt um 1500, vum Albert Schweitzer, vum Andre Weckmann, Rene Schickele un vum Walter Mossmann...

Iber de Rhien schden mir zämme gege Macht, Dummheit, Gwalt, Intoleranz, Verschwörungstheorie, Fundamentalismus un Nationalisme. Mir sin Fräue und Männer, Badener, Elsässer, Schwizzer, Regionalischde, Europäer un Weltbürger. Mir sin Europa! Un mir wänn, dass die alde Kische in Fessene, Beznau un anderschwo endlig, endlig abgschdellt wäre und dann goht's um's Ganze... Fir d'Demokratie, fir's Europa vun de Mensche, fir'd Freihei!

Text: Axel Mayer - BUND

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